Wilde Karde – ein Werkzeug der Natur

Dipsacus sylvestris

Wann und wo finde ich die Karde?

In unseren Gegenden breitet sich die ursprünglich aus südlicheren Gebieten stammende Pflanze immer mehr aus. Zu finden ist die zweijährige Karde vorwiegend an Feldrändern oder Schuttplätzen, jedoch auch an Waldrändern und auf Wiesen. Sie liebt einen eher kargen Steinboden und viel Sonne. Finden können wir sie beinahe ganzjährig, da ihre vertrockneten Stängel mit den markanten Stachelkugeln noch lange erhalten bleiben. Sie vermehrt sich durch Samen und blüht im zweiten Jahr von Juni bis September.

Karde, Blüte

In voller Blüte

Was kann ich sammeln?

Geerntet wird die Wurzel der Pflanze. Sie enthält im Spätsommer des ersten Jahres die besten Inhaltsstoffe . Man gräbt diese sehr tief aus, reinigt sie gründlich, schneidet sie klein und trocknet dann im Halbschatten. Die getrockneten Teile lagert man in Papiertüten oder Schraubgläsern.

Für Dekorationszwecke sind die Blütenköpfe gut geeignet und auch lange haltbar. Doch ist beim ernten etwas Vorsicht geboten, da der Stiel mit Dornen besetzt ist.

Karde

Verarbeitung

Für einen Tee kocht man 2 TL der getrockneten Wurzeln mit einem viertel Liter Wasser auf und lässt diesen 10 Minuten ziehen. Davon trinkt man 2 Tassen täglich für 2 bis 3 Wochen. Dieser reinigt den Organismus und hilft bei Hautunreinheiten, Ekzemen und Abszessen.
Eine Tinktur bereitet man durch einlegen in Alkohol. Nach 2 Wochen siebt man ab und erhält nach wiederentdeckten Überlieferungen ein Mittel gegen Borreliose.
HILDEGARD nutzte pulverisierte Pflanzenteile und fertigte Salben daraus, die gegen Hautausschläge verwendet wurden.

Inhaltsstoffe:

Glykoside, Mineralstoffe, Kalisalze, Bitterstoffe, Tannin, Terpene, Kaffeesäureverbindungen, organische Säuren, Saponine.

Eigenschaften:

schweißtreibend, harntreibend, magenwirksam

Magische Vergangenheit

Ein anderer bekannter Name lautet Weberkarde und zeugt von der Nutzung in vergangenen Zeiten. Die stacheligen Blütenköpfe waren damals beliebte Arbeitsmaterialien in Webereien. Sie ließen sich bestens zum Kämmen und Bürsten verwenden.

Weberkarde
Im Inneren der Blütenköpfe lebt oft ein Wurm, der in alten Literaturnachweisen als zahnheilend gilt. Zerquetscht man diesen zwischen den Fingern, erhält man einen elektrischen Schlag oder ist selbst so aufgeladen, dass man Personen, die man berührt, einen elektrischen Schlag versetzt. Dabei sollen eigene Krankheiten auf den anderen überspringen. Zugegeben, nicht die feine englische Art.

Weitere Anwendung für die Gesundheit

In der Homöopathie verwendet man Dipsacus silvestris als Urtinktur oder D1 zur Blutreinigung oder bei Gicht.

Im Garten

Hier stellt die Karde eine durchaus dekorative Pflanze dar, die in der Blüte auch sehr gerne von Insekten aufgesucht wird. Besonders beliebt ist sie bei Hummeln und Schmetterlingen.

Karde, Blattkelch

Der Blattkelch

Der lateinische Name leitet sich von dipsan – durstig ab. Dies hat damit zu tun, dass ihre Blätter wie ein Kelch am Stiel anliegen und damit in der Lage sind, Regenwasser eine Zeit lang zu speichern. Dies ist gerade für Vögel und Insekten aus den trockenen Gebieten sehr hilfreich.

Wenn Sie die Karde und weitere spannende Pflanzen besser kennenlernen wollen, nehmen Sie doch mal an meinen Führungen teil oder buchen Sie eine Führung mit der Familie oder dem Verein.

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